Von Laurin Schlereth · · Aktualisiert am · 10 Min. Lesezeit
Grunderwerbsteuer Bundesländer — Sätze im Vergleich
Grunderwerbsteuer aller 16 Bundesländer: Von 3,5 % in Bayern bis 6,5 % in NRW. Tabelle, Bemessungsgrundlage, Befreiungen nach §3 GrEStG und Fälligkeit.
Die Grunderwerbsteuer ist eine der größten Kostenpositionen beim Immobilienkauf — und sie unterscheidet sich je nach Bundesland erheblich. Wer in Bayern kauft, zahlt 3,5 %, wer in NRW, Brandenburg oder Schleswig-Holstein kauft, zahlt 6,5 % — das ist auf einen 300.000-Euro-Kauf gerechnet ein Unterschied von 9.000 Euro. Ein vollständiger Überblick über alle 16 Bundesländer, gesetzliche Befreiungen und die aktuelle Reformdiskussion.
Alle 16 Bundesländer im Vergleich
Die Steuersätze variieren zwischen 3,5 % und 6,5 %. Auf den ersten Blick erscheinen die Unterschiede gering — bei größeren Kaufpreisen summieren sie sich jedoch schnell zu fünfstelligen Beträgen. Die folgende Tabelle zeigt den konkreten Steuerbetrag für einen Kaufpreis von 300.000 Euro:
| Bundesland | Steuersatz | Steuer bei 300.000 € | Steuer bei 500.000 € |
|---|---|---|---|
| Bayern | 3,5 % | 10.500 € | 17.500 € |
| Baden-Württemberg | 5,0 % | 15.000 € | 25.000 € |
| Niedersachsen | 5,0 % | 15.000 € | 25.000 € |
| Rheinland-Pfalz | 5,0 % | 15.000 € | 25.000 € |
| Sachsen-Anhalt | 5,0 % | 15.000 € | 25.000 € |
| Thüringen | 5,0 % | 15.000 € | 25.000 € |
| Bremen | 5,5 % | 16.500 € | 27.500 € |
| Hamburg | 5,5 % | 16.500 € | 27.500 € |
| Sachsen | 5,5 % | 16.500 € | 27.500 € |
| Berlin | 6,0 % | 18.000 € | 30.000 € |
| Hessen | 6,0 % | 18.000 € | 30.000 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6,0 % | 18.000 € | 30.000 € |
| Brandenburg | 6,5 % | 19.500 € | 32.500 € |
| Nordrhein-Westfalen | 6,5 % | 19.500 € | 32.500 € |
| Saarland | 6,5 % | 19.500 € | 32.500 € |
| Schleswig-Holstein | 6,5 % | 19.500 € | 32.500 € |
Grün = günstigster Satz (Bayern), Rot = höchste Sätze (Brandenburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein). Stand: 2026 · Quelle: Grunderwerbsteuergesetze der Länder (GrEStG), von den Ländern festgelegte Steuersätze.
Historische Entwicklung: Von der Einheitssteuer zur Länderkompetenz
Bis 2006 galt in Deutschland ein bundeseinheitlicher Grunderwerbsteuersatz von 3,5 %. Mit der Föderalismusreform I erhielten die Bundesländer das Recht, den Steuersatz selbst festzulegen. Die meisten Länder haben erhöht; Thüringen hat zum 1. Januar 2024 von 6,5 % auf 5,0 % gesenkt. Bayern blieb bei 3,5 %.
Berlin etwa begann 2007 mit 4,5 % und ist heute bei 6,0 %. NRW startete 2011 mit 5,0 % und erhöhte auf 6,5 %. Schleswig-Holstein vollzog schrittweise Erhöhungen von 3,5 % auf 6,5 %. Die Steuereinnahmen aus der Grunderwerbsteuer sind für Länder und Kommunen eine bedeutende Einnahmequelle: Bundesweit fließen jährlich 12–18 Milliarden Euro in die Länderkassen — in Boomjahren deutlich mehr, in der aktuellen Korrekturphase etwas weniger.
| Jahr | Bundesdurchschnitt | Minimum | Maximum |
|---|---|---|---|
| 2006 | 3,5 % | 3,5 % (alle) | 3,5 % (alle) |
| 2010 | 3,9 % | 3,5 % | 5,0 % |
| 2015 | 5,1 % | 3,5 % | 6,5 % |
| 2020 | 5,3 % | 3,5 % | 6,5 % |
| 2025 | 5,4 % | 3,5 % | 6,5 % |
Bemessungsgrundlage: Was genau wird besteuert?
Die Grunderwerbsteuer bemisst sich nach der Gegenleistung (§ 8 Abs. 1, § 9 GrEStG) — dem Kaufpreis für Grundstück und Gebäude, nicht nach mitverkauftem beweglichem Inventar. Was separat und marktüblich ausgewiesen ist, gehört nicht zur Bemessungsgrundlage.
Im Kaufvertrag sind folgende Positionen relevant: Der Kaufpreis für Grundstück und Gebäude bildet die Bemessungsgrundlage. Separat ausgewiesene Preise für Einbauküche, Sauna, Gartenmöbel, Außenanlagen (Zaun, Pflasterung) oder andere mitgekaufte Gegenstände mindern die Bemessungsgrundlage. Das Finanzamt prüft jedoch genau, ob solche Positionen marktüblich bewertet sind — grob überhöhte Ansätze werden nicht anerkannt.
Was nicht zur Bemessungsgrundlage gehört — die gesetzlichen Grenzen
Fälligkeit und Unbedenklichkeitsbescheinigung
Die Steuer entsteht mit Beurkundung des Kaufvertrags. Fällig wird sie einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids (§ 15 GrEStG); das Finanzamt darf eine längere Frist setzen. Der Bescheid kommt in der Regel 4–8 Wochen nach Übermittlung der Vertragsdaten durch den Notar.
Erst wenn die Steuer bezahlt ist, stellt das Finanzamt die Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Ohne diese Bescheinigung veranlasst der Notar keine Umschreibung im Grundbuch — der Käufer ist also nicht Eigentümer im Grundbuch, obwohl er bereits bezahlt und eingezogen ist. Die Bescheinigung ist damit ein zentrales Dokument im Kaufprozess. Die Bearbeitungszeit variiert je nach Finanzamt und Auslastung zwischen zwei Wochen und drei Monaten.
Bei Ratenzahlung oder Stundungsantrag verzögert sich die Bescheinigung entsprechend. Käufer, die auf eine schnelle Grundbuchumschreibung angewiesen sind (z. B. wegen einer Zwischenfinanzierung), sollten die Grunderwerbsteuer möglichst schnell zahlen.
Grunderwerbsteuer und Finanzierung: Was Banken wissen müssen
Banken finanzieren die Grunderwerbsteuer grundsätzlich nicht mit — sie zählt zusammen mit Notar- und Grundbuchkosten sowie Maklerprovision zu den "Kaufnebenkosten", die vollständig aus Eigenkapital bestritten werden müssen. Das ist ein häufig unterschätzter Posten bei der Finanzierungsplanung.
Rechenbeispiel NRW (6,5 %) bei Kaufpreis 350.000 Euro mit Makler: Grunderwerbsteuer 22.750 Euro + Notar ca. 3.500 Euro + Grundbuch ca. 1.200 Euro + Maklerprovision ca. 12.495 Euro (3,57 % inkl. MwSt.) = zusammen rund 40.000 Euro. Diese 40.000 Euro müssen flüssig vorhanden sein, bevor die Bank die Finanzierung des Kaufpreises genehmigt. Bei einem angestrebten Eigenkapitalanteil von 20 % am Kaufpreis (70.000 Euro) braucht man also insgesamt mindestens 110.000 Euro Eigenkapital.
Reformdiskussion: Freibetrag für Erstkäufer
Die Grunderwerbsteuer ist politisch umstritten. Insbesondere CDU/CSU und FDP fordern seit Jahren einen Freibetrag für Erstkäufer von selbst genutztem Wohneigentum. Die Idee: Der erste Immobilienerwerb zur Eigennutzung sollte bis zu einem bestimmten Betrag (diskutiert werden 250.000–400.000 Euro) grunderwerbsteuerfrei sein, um jungen Familien den Einstieg ins Eigenheim zu erleichtern.
Bislang scheiterte die Reform an der Kompetenzverteilung: Die Länder profitieren von den Einnahmen und lehnen Einschränkungen ihres Steuerrechts ab. Eine Bundesratsinitiative dazu fehlte. Nach der Bundestagswahl 2025 ist das Thema erneut auf der politischen Agenda — in Koalitionsverhandlungen werden Kompromisse diskutiert, etwa ein bundesweit einheitlicher Freibetrag bei gleichzeitig angehobenem Mindeststeuersatz für alle Bundesländer.
Grunderwerbsteuer bei besonderen Erwerbsvorgängen
Neben dem Standardfall des Kaufvertrags unterliegen auch andere Übertragungsformen der Grunderwerbsteuer. Tauschverträge — bei denen zwei Immobilien gegenseitig übertragen werden — lösen für beide Seiten Grunderwerbsteuer aus, jeweils bemessen nach dem Wert der erworbenen Immobilie. Zwangsversteigerungen unterliegen ebenfalls der Grunderwerbsteuer, bemessen nach dem Zuschlagspreis.
Schenkungen außerhalb der Befreiungen des § 3 Nr. 2, 4 und 6 GrEStG lösen Grunderwerbsteuer aus, wenn der Schenker dabei eine Gegenleistung erhält — z. B. die Übernahme von Schulden oder Nießbrauchvorbehalt. Reine Schenkungen ohne Gegenleistung unterliegen der Schenkungsteuer, nicht der Grunderwerbsteuer. Die Abgrenzung im Einzelfall klärt ein Steuerberater oder Notar.
Einbringungen in Gesellschaften (GmbH, GbR) sind ebenfalls grunderwerbsteuerpflichtig, wenn dabei Immobilien übertragen werden und keine der engen Ausnahmetatbestände des GrEStG greift. Familiengesellschaften, über die Immobilien gehalten werden, unterliegen beim Eintritt neuer Gesellschafter ebenfalls der Grunderwerbsteuer — was bei der Planung von Immobiliengesellschaften zu berücksichtigen ist.
Personengesellschaften — Übergangsregelung bis Ende 2026: Übertragungen zwischen einer Personengesellschaft und ihren Gesellschaftern sind nach §§ 5 und 6 GrEStG anteilig von der Grunderwerbsteuer befreit. Seit dem Wegfall des „Gesamthand"-Begriffs durch das MoPeG (1.1.2024) sichert der Gesetzgeber diese Befreiungen nur noch übergangsweise: Die Gesamthandsfiktion des § 24 GrEStG gilt bis zum 31.12.2026 und wird zum 1.1.2027 aufgehoben. Für bis Ende 2026 verwirklichte Übertragungen bleiben die Befreiungen samt laufender Nachbehaltensfristen erhalten (§ 23 Abs. 27 GrEStG, Jahressteuergesetz 2024). Ab 1.1.2027 entfällt die Gesamthandsfiktion.
Stand: Juni 2026 · Quelle: §§ 5, 6, 24, 23 Abs. 27 GrEStG; Jahressteuergesetz 2024.
Gesamtbelastung durch Kaufnebenkosten im Bundeslandvergleich
Um die tatsächliche Belastung vergleichbar zu machen, sollten Kaufnebenkosten immer vollständig betrachtet werden. Notarkosten und Grundbuchgebühren sind bundeseinheitlich (nach GNotKG berechnet) und betragen bei einem Kaufpreis von 300.000 Euro zusammen rund 4.000–5.000 Euro. Hinzu kommt gegebenenfalls die Maklerprovision von 3,57 % je Seite (seit Maklergesetz 2020 hälftig geteilt). Für eine genaue Berechnung aller Nebenkosten inklusive Grunderwerbsteuer nach Bundesland nutzen Sie den Kaufnebenkosten Rechner.
| Bundesland | GrESt (300k) | + Notar/Grundbuch | Gesamtnebenkosten (mit Makler) |
|---|---|---|---|
| Bayern (günstigster Fall) | 10.500 € | 4.500 € | ca. 25.700 € (8,6 %) |
| Hamburg | 16.500 € | 4.500 € | ca. 31.700 € (10,6 %) |
| NRW (teuerster Fall) | 19.500 € | 4.500 € | ca. 34.700 € (11,6 %) |
Maklerkosten: 3,57 % des Kaufpreises je Seite (hälftig), ca. 10.710 € gesamt bei 300.000 €. Nicht immer fällig (z. B. bei Privatverkauf).
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Grunderwerbsteuer in den Bundesländern?
3,5 % in Bayern; 5 % in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen; 5,5 % in Bremen (seit 01.07.2025), Hamburg und Sachsen; 6 % in Berlin, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern; 6,5 % in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Schleswig-Holstein. Bayern hat mit 3,5 % den bundesweit niedrigsten Satz.
Auf welcher Bemessungsgrundlage wird die Steuer berechnet?
Die Steuer bemisst sich nach der Gegenleistung, also dem Kaufpreis im Notarvertrag (§ 8 Abs. 1, § 9 GrEStG). Bewegliche Sachen (Einbauküche, Markisen, Sauna) gehören nicht dazu, wenn sie separat und marktüblich ausgewiesen sind. Überhöhte Ansätze rechnet das Finanzamt der Bemessungsgrundlage wieder hinzu.
Wann ist die Grunderwerbsteuer fällig?
Einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids (§ 15 GrEStG); das Finanzamt darf eine längere Frist setzen. Der Bescheid kommt typisch 4–8 Wochen nach dem Kaufvertrag. Erst nach Zahlung erhält der Notar die Unbedenklichkeitsbescheinigung (§ 22 GrEStG), ohne die das Grundbuchamt nicht umschreibt.
Welche Erwerbe sind von der Grunderwerbsteuer befreit?
Nach § 3 GrEStG unter anderem der Erwerb durch den Ehegatten oder Lebenspartner des Veräußerers (Nr. 4) und durch Verwandte in gerader Linie (Nr. 6) — Eltern, Kinder, Großeltern, Enkel; Stiefkinder und deren Ehegatten oder Lebenspartner stehen gleich. Geschwister (Seitenlinie) fallen nicht darunter. Reine Schenkungen ohne Gegenleistung unterliegen der Schenkungsteuer, nicht der Grunderwerbsteuer (§ 3 Nr. 2).
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