NebenkostenRechnerOnline.de
← Immobilien-Ratgeber

Von Laurin Schlereth · 14. März 2026 · 6 Min. Lesezeit

Mietrendite berechnen — Brutto, Netto & Kaufpreisfaktor

Brutto-Mietrendite, Netto-Mietrendite und Kaufpreisfaktor: die drei Kennzahlen der Immobilienbewertung — mit Beispielen korrekt berechnen.

Wer eine Immobilie als Kapitalanlage kauft, braucht eine klare Antwort auf eine Frage: Lohnt sich das? Die Mietrendite liefert diese Antwort. Sie setzt den jährlichen Mietertrag ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital und macht Immobilien vergleichbar — untereinander und mit anderen Anlageformen.

Kurzantwort: Bruttomietrendite = (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100. Aussagekräftiger ist die Nettomietrendite, die Kaufnebenkosten und nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten einbezieht: (Jahresnettomiete ÷ Gesamtinvestition) × 100. Richtwert: brutto ab ~4–5 % gilt als solide, in Großstädten oft darunter. Der Kaufpreisfaktor (Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete) ist unter ~25 günstig.

Mietrendite berechnen

Brutto-Rendite, Netto-Rendite und Kaufpreisfaktor — kostenlos, direkt im Browser, mit PDF-Export.

Zum Rendite-Rechner →

Brutto-Mietrendite: schnelle Orientierung

Die Brutto-Mietrendite ist die einfachste Kennzahl für einen ersten Überblick:

Brutto-Rendite = (Jahres-Kaltmiete ÷ Kaufpreis) × 100

Beispiel: Kaufpreis 300.000 €, Kaltmiete 1.200 € / Monat (= 14.400 € p. a.) → Brutto-Rendite = 4,8 %

Die Brutto-Rendite ist immer zu optimistisch — sie ignoriert Kaufnebenkosten, Leerstand und Bewirtschaftungskosten.

Netto-Mietrendite: die ehrliche Zahl

Die Netto-Mietrendite berücksichtigt drei zusätzliche Faktoren:

Kaufnebenkosten: Grunderwerbsteuer, Notar, ggf. Makler — typisch 7–12 % des Kaufpreises.
Bewirtschaftungskosten: Hausgeld, Instandhaltungsrücklage, nicht umlegbare Betriebskosten.
Leerstandsrisiko: Üblich 2–5 % der Jahreskaltmiete für Mieterwechsel und Leerstandsphasen.
Netto-Rendite = (Netto-Jahresertrag ÷ Gesamtinvestition) × 100

Beispiel: Kaufpreis 300.000 €, Nebenkosten 10 % → Gesamtinvestition 330.000 €. Jahresmiete 14.400 €, Bewirtschaftung 2.400 €, Leerstand 432 € → Netto-Ertrag 11.568 €. → Netto-Rendite = 3,5 %

Bewirtschaftungskosten realistisch ansetzen

Der häufigste Grund für eine geschönte Rendite sind zu niedrig kalkulierte Bewirtschaftungskosten. Drei Posten gehören immer hinein:

Instandhaltung: Als Orientierung dient § 28 der Zweiten Berechnungsverordnung (II. BV). Rechtsverbindlich gilt sie nur für preisgebundenen (geförderten) Wohnraum und wird jährlich indexiert — für frei finanzierte Objekte ist sie kein Muss, aber ein etablierter Richtwert. Je nach Gebäudealter liegt der Ansatz grob bei 7–15 €/m²/Jahr (Neubau niedriger, Altbau höher). Eine Größenordnung zur Orientierung, keine feste Zahl.
Verwaltung: Nicht umlagefähige Verwaltungskosten. Bei einer Eigentumswohnung stecken sie im Hausgeld und mindern den Mietüberschuss.
Mietausfallwagnis: Puffer für Leerstand und Zahlungsausfälle — üblich als kleiner Prozentsatz der Jahreskaltmiete.

Richtwert nach § 28 II. BV (verordnungsrechtlich nur für preisgebundenen Wohnraum, jährlich indexiert) — für frei finanzierte Objekte lediglich Orientierung.

Kaufpreisfaktor

Der Kaufpreisfaktor (Vervielfältiger) ist das Gegenstück zur Brutto-Rendite und weit verbreitet bei der Schnellbewertung:

Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahres-Kaltmiete
Kaufpreisfaktor, Brutto-Rendite und typische Lage
FaktorBrutto-RenditeTypische Lage
15–18x5,5–6,7 %Ländlich, C-Städte
20–25x4,0–5,0 %B-Städte, Mittelzentren
25–35x2,9–4,0 %Großstädte, A-Lagen
35x+unter 2,9 %München, Frankfurt Top

Was ist eine gute Mietrendite?

Unter 3 % netto: Nur sinnvoll bei starker Wertsteigerungserwartung. Cashflow ist negativ oder minimal.
3–4 % netto: Akzeptabel in gefragten Lagen. Cashflow neutral bis leicht positiv.
4–6 % netto: Solide Kapitalanlage mit positivem Cashflow. Typisch in B-Städten.
Über 6 % netto: Attraktiv — häufig aber mit höherem Risiko verbunden (strukturschwache Lagen, Sanierungsbedarf).

Eigenkapitalrendite: warum Profis finanzieren

Die Mietrendite misst die Verzinsung des gesamten Kapitals. Wer mit Kredit kauft, interessiert sich aber für die Eigenkapitalrendite — die Verzinsung des eigenen eingesetzten Geldes. Solange die Objektrendite über dem Darlehenszins liegt, hebt der Kredit die Eigenkapitalrendite über die Objektrendite (Leverage- oder Hebel-Effekt):

EK-Rendite = (Mietüberschuss − Darlehenszins) ÷ eingesetztes Eigenkapital

Beispiel (Fortführung: 330.000 € Gesamtinvestition, 3,5 % Nettorendite; davon 220.000 € Darlehen zu 3,0 % und 110.000 € Eigenkapital):

Netto-Mietüberschuss (vor Zins)11.568 € / Jahr
− Darlehenszins (220.000 € × 3,0 %)− 6.600 €
= Überschuss nach Zins4.968 €
÷ Eigenkapital 110.000 €= 4,5 % EK-Rendite

Aus 3,5 % Objektrendite werden 4,5 % auf das Eigenkapital — weil die Immobilie mehr erwirtschaftet, als der Kredit kostet. Achtung: Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Liegt der Zins über der Objektrendite, sinkt die Eigenkapitalrendite unter die Objektrendite und kann negativ werden.

Häufige Fehler bei der Renditeberechnung

Kaufnebenkosten vergessen: 10 % Nebenkosten drücken die Netto-Rendite um gut einen Prozentpunkt.
Leerstand ignoriert: Jede Immobilie steht irgendwann leer — selbst 3 % bedeuten 11 Tage pro Jahr.
Instandhaltung falsch angesetzt: Zwei Faustregeln kursieren: ~7–15 €/m²/Jahr (Richtwert § 28 II. BV, altersabhängig) und 1 % des Kaufpreises pro Jahr. In teuren Lagen liegen sie weit auseinander — der €/m²-Ansatz ist dort realistischer, weil er nicht am Bodenpreis hängt.
Finanzierungskosten vergessen: Die Rendite sagt nichts über den Cashflow bei Darlehen aus — Zinsen separat kalkulieren.

Die Rendite ist der erste Filter — die eigentliche Kaufentscheidung fällt über Lage, Zustand und Mietermarkt. Wie Sie Objekte auswählen, Risiken begrenzen und die Finanzierung aufstellen, lesen Sie im Strategie-Artikel.

Weiterlesen

Mietrendite berechnen

Brutto, Netto & Kaufpreisfaktor — kostenlos & mit PDF.

Zum Rechner →
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Angaben ohne Gewähr — Gesetze und Rechtsprechung können sich ändern. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder Steuerberater.