Von Laurin Schlereth · 14. März 2026 · 8 Min. Lesezeit
Immobilienfinanzierung erklärt — Annuitätendarlehen
Annuitätendarlehen verständlich erklärt: Tilgung, Zinsbindung, Beleihungsauslauf und Sondertilgung — mit Beispielrechnungen für Ihre Finanzierungsentscheidung.
Die Immobilienfinanzierung ist für die meisten Käufer die größte finanzielle Entscheidung ihres Lebens. Das Annuitätendarlehen ist dabei das mit Abstand gebräuchlichste Modell — es bietet Planungssicherheit durch gleichbleibende monatliche Raten und eine transparente Struktur aus Zins und Tilgung. Wer die Mechanismen versteht, verhandelt besser und vermeidet teure Fehler.
Das Annuitätendarlehen
Bei einem Annuitätendarlehen zahlen Sie über die gesamte Zinsbindungsdauer eine konstante monatliche Rate (die Annuität). Diese setzt sich zusammen aus einem Zinsanteil und einem Tilgungsanteil. Da mit jeder Rate die Restschuld sinkt, verringert sich der Zinsanteil kontinuierlich — während der Tilgungsanteil automatisch steigt (Tilgungsverrechnungseffekt).
Beispiel: 300.000 € Darlehen, 3,8 % Sollzins, 2,0 % Tilgung → Rate = 300.000 × 0,058 ÷ 12 = 1.450 € / Monat
Mit dem Finanzierungsrechner können Sie Ihre monatliche Rate, den Tilgungsplan und die Restschuld direkt berechnen.
Zinsen vs. Tilgung — der Unterschied
Monatliche Rate bei verschiedenen Tilgungssätzen
Darlehensbetrag 300.000 €, Sollzins 3,8 %, Zinsbindung 15 Jahre:
| Tilgung | Rate / Monat | Restschuld nach 15 J. | Gesamtlaufzeit |
|---|---|---|---|
| 1,0 % | 1.200 € | ca. 247.000 € | ca. 52 Jahre |
| 1,5 % | 1.325 € | ca. 222.000 € | ca. 41 Jahre |
| 2,0 % | 1.450 € | ca. 196.000 € | ca. 35 Jahre |
| 3,0 % | 1.700 € | ca. 141.000 € | ca. 26 Jahre |
| 4,0 % | 1.950 € | ca. 84.000 € | ca. 21 Jahre |
Zinsbindung: 5, 10, 15 oder 20 Jahre?
Die Zinsbindungsdauer legt fest, wie lange der vereinbarte Zinssatz gilt. Je länger die Bindung, desto höher in der Regel der Zinssatz (Risikoaufschlag der Bank) — aber desto größer die Planungssicherheit.
Beleihungsauslauf
Der Beleihungsauslauf (LTV — Loan to Value) gibt an, wie viel Prozent des Immobilienwerts Sie finanzieren. Er ist der wichtigste Zinsfaktor überhaupt: Je niedriger der Auslauf, desto besser der Zinssatz.
| Auslauf | Eigenkapitalanteil | Zinsvorteil ggü. 100 % |
|---|---|---|
| unter 60 % | über 40 % | ca. 0,4–0,6 % |
| 60–80 % | 20–40 % | ca. 0,2–0,3 % |
| 80–90 % | 10–20 % | ca. 0,1 % |
| 90–100 % | unter 10 % | Referenz / Aufschlag |
Sondertilgung
Sondertilgungsrechte erlauben jährliche außerplanmäßige Tilgungen ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Standard sind 5 % des ursprünglichen Darlehensbetrags pro Jahr — manche Banken bieten bis zu 10 %. Sondertilgungen wirken besonders stark zu Beginn der Laufzeit, da die Zinsen auf die geringere Restschuld sofort sinken.
Sollzins vs. Effektivzins
Anschlussfinanzierung
Nach Ablauf der Zinsbindung muss die Restschuld neu finanziert werden. Die Risiken: höhere Zinsen als heute, geänderte Bonität, niedrigerer Immobilienwert. Vorausschauende Käufer sichern sich frühzeitig ab — ein Forward-Darlehen kann bis zu 5 Jahre im Voraus abgeschlossen werden, typischer Aufschlag 0,01–0,03 % pro Monat Vorlaufzeit.
Das Wichtigste im Überblick
Stand: 2026 · Quelle: BGB (§§ 488 ff. Darlehensrecht, § 489 Sonderkündigungsrecht nach 10 Jahren), BaFin und Deutsche Bundesbank (Zinsstatistik). Angaben ohne Gewähr — verbindlich sind die Konditionen Ihres Darlehensvertrags.