Zum Inhalt springen
NebenkostenRechnerOnline.de
← Alle Artikel

Von Laurin Schlereth · · Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit

Nebenkostenabrechnung zu spät — Nachzahlung verfällt

Abrechnung 2025 muss bis 31.12.2026 zugegangen sein (§ 556 Abs. 3 BGB). Später: Nachzahlung weg, Guthaben bleibt. Ausnahme: Verspätung nicht zu vertreten.

Auf einen Blick

Die Abrechnung für 2025 muss dem Mieter bis zum 31. Dezember 2026 zugegangen sein (§ 556 Abs. 3 Satz 2 BGB). Kommt sie später, verfällt die Nachzahlung (§ 556 Abs. 3 Satz 3 BGB) — ein Guthaben bleibt und ist auszuzahlen. Ausnahme nur, wenn der Vermieter die verspätete Geltendmachung nicht zu vertreten hat.

Abrechnung prüfen oder widersprechen

Erst formelle Fehler finden, dann den Widerspruch als PDF — beides kostenlos, ohne Anmeldung.

Die Jahresabrechnung kommt erst im Oktober, obwohl das Abrechnungsjahr schon lange vorbei ist — darf der Vermieter trotzdem noch eine Nachzahlung verlangen? In vielen Fällen: Nein. §556 Abs. 3 BGB schützt Mieter vor verspäteten Abrechnungen. Was die 12-Monats-Frist bedeutet, wann sie gilt und welche Ausnahmen es gibt, erklären wir hier im Detail.

Die 12-Monats-Frist nach §556 Abs. 3 BGB

Nach §556 Abs. 3 Satz 2 BGB muss der Vermieter die Betriebskosten- abrechnung innerhalb von 12 Monaten nach Ende des Abrechnungszeitraumsdem Mieter mitteilen. Das bedeutet:

Fristberechnung: Beispiele
Abrechnungszeitraum01.01.2025 – 31.12.2025
Abrechnungsfrist läuft ab31.12.2026
→ Abrechnung bis 31.12.2026 dem Mieter zugeleitet
Abrechnungszeitraum01.01.2024 – 31.12.2024
Abrechnung erst am15.02.2026 zugestellt
→ Zu spät! Nachzahlungsanspruch VERFALLEN

Folgen einer verspäteten Abrechnung

Verpasst der Vermieter die 12-Monats-Frist, hat das weitreichende Konsequenzen:

Nachzahlungsanspruch verfällt: Der Vermieter verliert seinen Anspruch auf Nachzahlung vollständig — auch wenn die Betriebskosten tatsächlich höher waren als die Vorauszahlungen.
Abrechnung selbst bleibt wirksam: Die Abrechnung darf nachträglich erstellt werden (BGH VIII ZR 57/04). Ausgeschlossen ist nur die Nachforderung, nicht die Abrechnung selbst.
Guthaben muss ausgezahlt werden: Ergibt die verspätete Abrechnung ein Guthaben zugunsten des Mieters, muss der Vermieter dieses trotzdem auszahlen. Die Frist schützt nur den Mieter — nicht den Vermieter.
Kein rückwirkender Verlust: Der Vermieter verliert nur den Nachzahlungsanspruch — nicht seine sonstigen Rechte aus dem Mietverhältnis.
Wichtig: Der Nachforderungsausschluss nach § 556 Abs. 3 Satz 3 BGB wirkt kraft Gesetzes, ohne Rüge. Wer die ausgeschlossene Nachforderung in Unkenntnis des Ausschlusses zahlt, leistet ohne Rechtsgrund und kann den Betrag zurückfordern (BGH VIII ZR 94/05). Die Rügepflicht des Satzes 5 betrifft Einwendungen gegen eine zugegangene Abrechnung, nicht den Fristablauf des Vermieters.

Ausnahme: Vermieter ist nicht verantwortlich

§556 Abs. 3 Satz 3 BGB enthält eine wichtige Ausnahmeregelung: Der Vermieter kann auch nach Ablauf der 12-Monats-Frist noch eine Nachzahlung verlangen, wenn er die Verspätung nicht zu vertreten hat. Diese Ausnahme ist eng ausgelegt und gilt nur in eindeutigen Fällen:

Verspätete Festsetzung von Steuern oder Abgaben: Die Ausnahme ist mit Rücksicht auf Fälle eingefügt, in denen Steuern oder Abgaben erst nach Ablauf der Abrechnungsperiode festgesetzt werden (BGH VIII ZR 220/05). Im Regelfall ist die Nachforderung dann innerhalb von drei Monaten nach Wegfall des Hindernisses zu erheben.
Behördliche Verzögerungen: Grundsteuerbescheid oder Müllgebührenbescheid werden von der Gemeinde sehr spät ausgestellt.
Kein Fall: Nachlässigkeit oder Vergessen: Schlicht das Versäumen der Frist durch Unorganisiertheit ist kein Ausnahmetatbestand.
Aktuelle Rechtsprechung (BGH, VIII ZR 6/24): Kann der Vermieter die Grundsteuer unverschuldet nicht innerhalb der Jahresfrist abrechnen, weil die Festsetzung fehlt, dauert das Abrechnungshindernis fort, bis er weiß, ob der Bescheid nach Einspruch gegen den Messbescheid und den Einheitswertbescheid geändert wird. Danach gilt die Drei-Monats-Regel aus VIII ZR 220/05.Stand: Oktober 2026 · Quelle: BGH, Urteil vom 20.05.2026 – VIII ZR 6/24

Fristberechnung richtig verstehen

Die 12-Monate laufen ab dem Ende des Abrechnungszeitraums — nicht ab dem Ende des Mietverhältnisses oder dem Ende des Jahres, in dem die Abrechnung erstellt wird. Häufig übersehene Punkte:

  • Maßgeblich ist der Zugang — die Abrechnung muss dem Mieter innerhalb der Frist zugegangen sein, nicht nur abgeschickt worden.
  • Abweichende Abrechnungsperioden: Wenn die Periode z. B. Juli–Juni läuft, endet die Frist am 30. Juni des Folgejahres.
  • Kurzfristige Mietverhältnisse: Auch wenn ein Mieter nur ein halbes Jahr im Haus war, gilt die gleiche Frist — bezogen auf den Abrechnungszeitraum.

Was gilt, wenn die Abrechnung zu spät kommt?

Zugang entscheidet: Die Frist knüpft am Zugang der Abrechnung an, nicht am Absendedatum.
12 Monate nach Periodenende: Für den Abrechnungszeitraum 2025 muss die Abrechnung bis zum 31. Dezember 2026 zugegangen sein.
Ausschluss kraft Gesetzes: Nach Ablauf der Frist ist die Nachforderung ausgeschlossen (§ 556 Abs. 3 Satz 3 BGB), ohne dass der Mieter die Verspätung rügen muss. Die Einwendungsfrist des Satzes 5 betrifft Einwendungen gegen eine zugegangene Abrechnung, nicht den Fristablauf des Vermieters.
Guthaben bleibt: Ein ausgewiesenes Guthaben ist auszuzahlen, unabhängig von der Fristüberschreitung.
Zahlung ohne Rechtsgrund: Wer die ausgeschlossene Nachforderung in Unkenntnis des Ausschlusses zahlt, leistet ohne Rechtsgrund und kann den Betrag zurückfordern (BGH VIII ZR 94/05). Eine vorbehaltlose Zahlung ist kein Schuldanerkenntnis, wenn der Mieter den Ausschluss nicht kannte.

Was für Vermieter gilt

Die 12-Monats-Frist läuft ab dem Ende des Abrechnungszeitraums. Nach Ablauf ist die Nachforderung ausgeschlossen, es sei denn, der Vermieter hat die verspätete Geltendmachung nicht zu vertreten (§ 556 Abs. 3 Satz 2 und 3 BGB).

Frist ab Periodenende: Die Abrechnung ist dem Mieter spätestens bis zum Ablauf des zwölften Monats nach Ende des Abrechnungszeitraums mitzuteilen. Für 2025 endet die Frist am 31. Dezember 2026.
Zugang, nicht Absendung: Maßgeblich ist der Zugang beim Mieter, nicht der Tag der Absendung.
Drei Monate nach Wegfall des Hindernisses: Kann die Jahresfrist zunächst unverschuldet nicht eingehalten werden, ist die Nachforderung im Regelfall innerhalb von drei Monaten nach Wegfall des Abrechnungshindernisses zu erheben (BGH VIII ZR 220/05).
Nachforderung, nicht Abrechnung: Nach Fristablauf ist nur die Nachforderung ausgeschlossen. Die Abrechnung darf nachträglich erstellt werden (BGH VIII ZR 57/04).

Häufige Fragen

Die Abrechnung für 2025 kommt erst 2027 — muss ich die Nachzahlung noch zahlen?

Nein. Für den Abrechnungszeitraum 2025 muss die Abrechnung dem Mieter bis zum 31. Dezember 2026 zugegangen sein (§ 556 Abs. 3 Satz 2 BGB). Kommt sie erst 2027, ist die Geltendmachung einer Nachforderung ausgeschlossen (§ 556 Abs. 3 Satz 3 BGB) — es sei denn, der Vermieter hat die verspätete Geltendmachung nicht zu vertreten. Ein ausgewiesenes Guthaben bleibt und ist auszuzahlen.

Verliert der Vermieter den Nachzahlungsanspruch, wenn er zu spät abrechnet?

Ja, nach § 556 Abs. 3 Satz 3 BGB ist die Geltendmachung einer Nachforderung nach Ablauf der Frist ausgeschlossen. Der Ausschluss wirkt kraft Gesetzes, ohne Rüge. Wer die ausgeschlossene Nachforderung in Unkenntnis des Ausschlusses zahlt, leistet ohne Rechtsgrund und kann den Betrag zurückfordern (BGH VIII ZR 94/05). Das Guthaben des Mieters bleibt auch bei verspäteter Abrechnung bestehen.

Wann gilt die Ausnahme von der 12-Monats-Frist?

Die Ausnahme nach § 556 Abs. 3 Satz 3 BGB greift, wenn der Vermieter die verspätete Geltendmachung nicht zu vertreten hat — etwa weil Steuern oder Abgaben erst nach Fristablauf festgesetzt werden (BGH VIII ZR 220/05). Im Regelfall muss die Nachforderung dann innerhalb von drei Monaten nach Wegfall des Hindernisses erhoben werden. Schlichte Nachlässigkeit oder Vergessen reichen nicht aus.

Muss der Vermieter die verspätete Abrechnung trotzdem erstellen?

Ja. Die Abrechnungspflicht nach § 556 Abs. 3 Satz 1 BGB endet nicht mit dem Nachforderungsausschluss. Der Vermieter darf nachträglich abrechnen (BGH VIII ZR 57/04). Ausgeschlossen ist nur die Nachforderung. Ein ausgewiesenes Guthaben ist auszuzahlen.

Nebenkostenabrechnung prüfenKostenloser Checker: Ist Ihre Abrechnung korrekt? In wenigen Minuten geprüft.Zum Checker →
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Angaben ohne Gewähr — Gesetze und Rechtsprechung können sich ändern. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder Steuerberater.