NebenkostenRechnerOnline.de

Nebenkostenabrechnung online in wenigen Minuten erstellen

← Immobilien-Ratgeber

15. März 2026 · 11 Min. Lesezeit

Teilverkauf Immobilien — Kosten, Risiken und Alternativen

Teilverkauf der Immobilie: Wie Wertfaktor und Co. funktionieren, was das Nutzungsentgelt wirklich kostet, warum Verbraucherschützer warnen und welche Alternativen besser sind.

Der Teilverkauf von Immobilien wird in Deutschland seit einigen Jahren intensiv beworben — vor allem an ältere Eigentümer, die in ihrer abbezahlten Immobilie viel Vermögen gebunden haben, aber im Alltag unter Liquiditätsengpässen leiden. Das Konzept klingt verlockend: Man verkauft 10 bis 50 Prozent der eigenen Immobilie, erhält sofort Kapital, bleibt aber wohnen. Was wie eine elegante Lösung wirkt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung in vielen Fällen als teures Modell mit versteckten Langzeitkosten. Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest haben das Konzept wiederholt kritisch bewertet — und dennoch wächst der Markt. Dieser Artikel erklärt, wie Teilverkäufe funktionieren, was sie wirklich kosten und welche Alternativen es gibt.

Das Konzept des Teilverkaufs — wie es funktioniert

Beim Immobilienteilverkauf veräußert der Eigentümer einen Teil seiner Immobilie — typischerweise zwischen 10 und 50 Prozent — an ein spezialisiertes Unternehmen. Der Käufer wird als Miteigentümer ins Grundbuch eingetragen. Der bisherige Eigentümer erhält den Kaufpreis für den verkauften Anteil sofort ausgezahlt und behält das Recht, die gesamte Immobilie weiterhin zu nutzen — also darin zu wohnen oder sie zu vermieten. Für dieses Nutzungsrecht zahlt er dem neuen Miteigentümer ein monatliches „Nutzungsentgelt", das einem Mietzins für den verkauften Anteil entspricht.

Das Nutzungsentgelt ist dabei das zentrale und oft unterschätzte Element des Modells. Es wird auf den verkauften Anteil des Immobilienwerts berechnet und liegt typischerweise zwischen 4,5 und 7 Prozent pro Jahr. Bei einem Teilverkauf von 200.000 Euro und einem Nutzungsentgelt von 6 Prozent fallen bereits 12.000 Euro jährlich — oder 1.000 Euro monatlich — als laufende Belastung an, ohne dass man auch nur einen Cent der geliehenen Summe tilgt. Im Gegensatz zu einem Kredit gibt es keine Tilgung: Das Kapital wird erst beim endgültigen Gesamtverkauf der Immobilie an das Unternehmen zurückgegeben.

Die Zielgruppe sind vor allem Senioren ab 60 Jahren, die ein schuldenfreies Eigenheim besitzen, aber nur über geringe monatliche Einnahmen verfügen. Der statistische Wert des Immobilienvermögens von Rentnerhaushalten in Deutschland liegt im Median bei rund 200.000 Euro — viele besitzen jedoch deutlich mehr, ohne ausreichend flüssige Mittel zu haben. Dieses als „Asset Rich, Cash Poor" bekannte Phänomen trifft laut Statistischem Bundesamt auf rund 3,5 Millionen Haushalte zu.

Anbieter im Vergleich: Wertfaktor, Heimkapital und weitere

AnbieterNutzungsentgelt p.a.Maximaler AnteilMindest-ImmobilienwertBesonderheiten
Wertfaktor5,9–6,9 %50 %200.000 €Größter Anbieter in D, Sitz Hamburg
Heimkapital4,9–6,5 %50 %150.000 €Keine Mindestlaufzeit, flexibler Rückkauf
Engel & Völkers Liquid Home5,5–7,0 %40 %300.000 €Fokus Premiumsegment, höhere Wertgutachterkosten
Deutsche Teilkauf5,9–6,9 %50 %200.000 €Wertanpassungsklausel nach 5 Jahren

Die angegebenen Nutzungsentgelte sind Richtwerte aus öffentlich zugänglichen Informationen (Stand 2024/2025) — die tatsächlichen Konditionen variieren je nach Immobilienwert, Lage, Alter und individuellem Vertrag. Anbieter passen ihre Sätze regelmäßig an die allgemeine Zinsentwicklung an; seit dem Zinsanstieg 2022/2023 sind die Nutzungsentgelte im Branchendurchschnitt um rund 1 bis 1,5 Prozentpunkte gestiegen.

Versteckte Kosten und das Rechenbeispiel

Die offensichtlichste Kostenstelle ist das laufende Nutzungsentgelt. Aber die Gesamtkosten eines Teilverkaufs sind erheblich höher als es der Prospekt vermuten lässt. Beim Abschluss fällt zunächst eine Servicegebühr an, die vom ausgezahlten Betrag abgezogen wird — bei den meisten Anbietern zwischen 2 und 5 Prozent der Auszahlungssumme. Ein Wertgutachten durch einen vom Anbieter beauftragten Gutachter ist ebenfalls kostenpflichtig und geht zu Lasten des Eigentümers: typischerweise 500 bis 2.000 Euro je nach Immobilienart und Lage. Notarkosten für die Grundbucheintragung des Miteigentumsanteils sind ebenfalls vom Eigentümer zu tragen.

Beim endgültigen Verkauf der Immobilie — ob durch den Eigentümer oder nach seinem Tod — kommt eine weitere Servicegebühr hinzu, die sogenannte „Durchführungsgebühr" oder „Exitgebühr". Diese beträgt bei den meisten Anbietern 2 bis 5 Prozent des Gesamtverkaufserlöses — also nicht nur des verkauften Anteils, sondern des vollständigen Immobilienwerts. Bei einer Immobilie, die für 500.000 Euro verkauft wird, bedeutet eine Exitgebühr von 3 Prozent weitere 15.000 Euro Kosten, die vom Erlös abgehen.

PositionBetrag (Beispiel: 30 % Teilverkauf, Immobilie 500.000 €)
Auszahlungsbetrag (30 % von 500.000 €)150.000 €
Abzgl. Servicegebühr beim Abschluss (3 %)–4.500 €
Abzgl. Wertgutachten + Notar–2.000 €
Tatsächlicher Nettoerlös143.500 €
Nutzungsentgelt 6 % p.a. × 10 Jahre–90.000 €
Exitgebühr beim Gesamtverkauf (3 % von 500.000 €)–15.000 €
Effektive Gesamtkosten über 10 Jahre107.000 € für 143.500 € Kapital

Der effektive Jahreszins dieses Beispiels liegt bei rund 8,5 bis 10 Prozent — deutlich über den marktüblichen Hypothekenzinsen von 3,5 bis 4,5 Prozent (Stand Anfang 2025). Ein klassisches Bankdarlehen wäre für viele Eigentümer die erheblich günstigere Alternative.

Was Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest sagen

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat Teilverkaufsmodelle in mehreren Untersuchungen (zuletzt 2023/2024) kritisch bewertet und warnt vor unzureichend transparenten Konditionen, zu optimistischen Wertsteigerungsannahmen in den Anbieter-Prognosen und einem erheblichen Risiko der finanziellen Überforderung. Besonders kritisiert wird, dass das Nutzungsentgelt bei steigendem Immobilienwert ebenfalls steigt — einige Verträge enthalten Klauseln, die eine Anpassung des Entgelts nach oben an die Wertentwicklung erlauben.

Die Stiftung Warentest kommt in ihrer Untersuchung vom März 2023 zu einem ähnlichen Ergebnis: „Für die meisten Eigentümer ist ein Teilverkauf teurer als ein Bankkredit oder eine klassische Leibrente." Das Heft empfiehlt, mindestens drei Alternativen zu prüfen, bevor man sich auf einen Teilverkauf einlässt. Positiv bewertet wird lediglich die Flexibilität: Im Unterschied zur Leibrente kann man beim Teilverkauf jederzeit den Anteil zurückkaufen oder die gesamte Immobilie verkaufen — allerdings mit den beschriebenen Exitkosten.

Bessere Alternativen zum Teilverkauf

Für Eigentümer, die Liquidität aus ihrer Immobilie benötigen, gibt es mehrere Alternativen, die in vielen Fällen günstiger oder situationsgerechter sind.

Klassisches Bankdarlehen (Hypothekendarlehen): Wenn die Immobilie lastenfrei oder gering belastet ist, kann ein Bankdarlehen zu Zinsen von 3,5–4,5 % (Stand Anfang 2025) aufgenommen werden. Tilgung und Zinsen sind planbar; die Immobilie bleibt vollständig im Eigentum. Viele Banken vergeben solche Darlehen auch an Rentner bis 75 oder 80 Jahren, sofern die Tilgungsleistung aus Rente und anderen Einkünften darstellbar ist.
Leibrente: Bei der klassischen Leibrente wird die Immobilie vollständig verkauft, der Verkäufer erhält jedoch monatliche Rentenzahlungen bis zu seinem Tod sowie ein eingetragenes Wohnrecht. Die Rentenhöhe hängt vom Immobilienwert, dem Alter und der Lebenserwartung ab. Bei hohem Immobilienwert und hohem Alter des Eigentümers kann die Leibrente erheblich attraktiver sein als ein Teilverkauf.
Verkauf mit Wohnrecht: Die Immobilie wird vollständig verkauft, der ehemalige Eigentümer erhält den vollen Kaufpreis sofort und behält ein eingetragenes lebenslanges Wohnrecht. Der Kaufpreis ist geringer als ohne Wohnrecht (der Wohnrechtswert wird abgezogen), aber die erhaltene Summe ist einmalig und vollständig verfügbar — ohne laufende Belastungen.
Umkehrhypothek: Bei der Umkehrhypothek beleiht die Bank die Immobilie, zahlt dem Eigentümer monatlich einen Betrag oder eine Einmalsumme aus und erhält das Darlehen erst beim Tod oder Verkauf zurück. In Deutschland ist dieses Produkt weniger verbreitet als in den USA (Reverse Mortgage), aber einige Spezialanbieter und Versicherungsgesellschaften bieten es an. Der Eigentümer behält das volle Eigentum.
KfW-Förderung für altersgerechtes Umbauen: Wenn die Liquidität für Umbaumaßnahmen benötigt wird, bietet die KfW das Programm 159 (Altersgerecht Umbauen — Kredit) mit zinsgünstigen Darlehen. Der Zinssatz liegt deutlich unter marktüblichen Konditionen und die Tilgungsanforderungen sind moderat.

Rechtliche Aspekte: Grundbuch, Todesfall und Erbfolge

Beim Teilverkauf wird das Unternehmen als Miteigentümer ins Grundbuch eingetragen — in der Regel in Abteilung I (Eigentümer) als Bruchteilseigentümer. Gleichzeitig wird ein Nießbrauch- oder Wohnrecht zugunsten des Veräußerers eingetragen, das ihm das umfassende Nutzungsrecht sichert. Dieser Eintrag bindet auch zukünftige Käufer, falls das Unternehmen seinen Anteil weiterveräußern sollte — was rechtlich möglich ist, da es sich um reguläres Eigentum handelt.

Im Todesfall des Eigentümers gibt es zwei mögliche Szenarien: Entweder übernehmen die Erben die Eigentümerstellung des Veräußerers und können entscheiden, ob sie den Unternehmensanteil zurückkaufen oder die gesamte Immobilie gemeinsam verkaufen. Oder die Erben sind nicht in der Lage, das Kapital für den Rückkauf aufzubringen, und das Unternehmen kann bei einer Teilungsversteigerung auf seinen Anteil bestehen — mit den bekannten Nachteilen für den Erlös. Viele Verträge regeln diesen Fall durch eine Mindestlaufzeit oder eine Verkaufsoption des Unternehmens, was die Erben unter Druck setzen kann. Wer ein Teilverkaufsmodell in Betracht zieht, sollte diesen Aspekt mit seinen Erben besprechen und notariell absichern.

Für wen der Teilverkauf trotzdem sinnvoll sein kann

Bei aller Kritik gibt es Situationen, in denen ein Teilverkauf tatsächlich die beste verfügbare Option sein kann. Wer aufgrund seines Alters, eines schlechten Gesundheitszustands oder einer negativen Bonität keinen klassischen Bankkredit mehr erhält und dennoch dringend Liquidität benötigt, hat möglicherweise keine anderen Alternativen. Ebenso kann ein Teilverkauf sinnvoll sein, wenn die Immobilie in einer Lage mit stabiler Wertentwicklung liegt und der Eigentümer realistisch damit rechnet, dass die Wertsteigerung das Nutzungsentgelt langfristig übersteigt.

Entscheidend ist, dass man die Konditionen sorgfältig vergleicht, alle Kosten transparent berechnet und sich nicht unter Zeitdruck zu einem Abschluss drängen lässt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, vor Vertragsabschluss einen unabhängigen Berater (Verbraucherzentrale, Steuerberater) hinzuzuziehen und auf keinen Fall auf das erste Angebot einzugehen.

Warnung: Teilverkaufsverträge sind langfristige, komplexe Bindungen. Prüfen Sie vor Unterzeichnung: Wer bestimmt den Verkehrswert bei der Endabrechnung? Welche Exitkosten entstehen? Was passiert bei Insolvenz des Anbieters? Holen Sie sich mindestens ein unabhängiges Gutachten und lassen Sie den Vertrag von einem Anwalt prüfen.

Finanzierungsrechner

Monatliche Rate, Tilgungsplan & Restschuld — kostenlos & mit PDF.

Zum Rechner →
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Angaben ohne Gewähr — Gesetze und Rechtsprechung können sich ändern. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder Steuerberater.

Verwandte Artikel