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15. März 2026 · 9 Min. Lesezeit

Anschlussfinanzierung — Prolongation, Umschuldung und Forward-Darlehen erklärt

Millionen Eigentümer müssen 2025–2027 ihre Zinsbindung verlängern. Wir erklären Prolongation vs. Umschuldung vs. Forward-Darlehen, wie viel ein besserer Zins spart und was 12 Monate vor Ablauf zu tun ist.

Millionen deutsche Immobilieneigentümer stehen 2025 bis 2027 vor einer entscheidenden Frage: Was passiert, wenn die Zinsbindung ausläuft? Wer vor zehn Jahren zu Zinsen um 1–2 % finanziert hat, muss jetzt mit Anschlusszinsen von 3,5–4,5 % rechnen. Das bedeutet bei einer Restschuld von 250.000 € schnell mehrere Hundert Euro mehr pro Monat. Wer frühzeitig plant und die richtigen Instrumente kennt, kann erheblich sparen.

Was passiert nach der Zinsbindung?

Mit dem Ende der Zinsbindung wird das Darlehen nicht automatisch fällig. Stattdessen haben Sie drei Optionen: Prolongation bei der bestehenden Bank, Umschuldung zu einem anderen Anbieter oder ein Forward-Darlehen, das Sie bereits im Voraus zu aktuellen Konditionen abschließen.

Prolongation: Sie bleiben bei Ihrer Hausbank und verlängern das Darlehen zu neuen Konditionen. Unkompliziert, aber oft nicht das günstigste Angebot.
Umschuldung: Sie wechseln zu einer anderen Bank, die bessere Zinsen bietet. Erfordert etwas Aufwand, spart aber häufig Tausende Euro.
Forward-Darlehen: Sie sichern sich schon bis zu 36 Monate vor Ablauf der Zinsbindung den aktuellen Zins für die Anschlussfinanzierung. Schutz vor steigenden Zinsen, aber mit Aufschlag verbunden.

Prolongation bei der Hausbank — bequem, aber oft teuer

Die meisten Banken senden einige Wochen vor Ablauf der Zinsbindung ein Prolongationsangebot zu. Das ist der einfachste Weg — allerdings fehlt der Bank jeder Anreiz, attraktive Konditionen anzubieten, da sie auf Ihre Trägheit setzt. Studien zeigen, dass Prolongationskunden typischerweise 0,2–0,5 Prozentpunkte mehr zahlen als Neukunden, die aktiv verhandeln oder wechseln. Bei einer Restschuld von 200.000 € und 10 Jahren Laufzeit entsprechen 0,3 Prozentpunkte rund 5.400 € Mehrkosten. Nehmen Sie das Angebot als Verhandlungsbasis, nicht als Endpreis.

Umschuldung zur anderen Bank — wie es funktioniert

Eine Umschuldung bedeutet, dass ein neuer Kreditgeber die Restschuld übernimmt. Dabei gibt es zwei Wege, die Grundschuld zu übertragen:

Grundschuldabtretung: Die alte Bank tritt die bestehende Grundschuld an die neue Bank ab. Kostengünstiger, da keine neue Grundschuld im Grundbuch eingetragen werden muss (nur Abtretungsgebühr, ca. 100–300 €).
Neue Grundschuld: Die alte Grundschuld wird gelöscht und eine neue eingetragen. Fällt an, wenn die Banken keine Abtretung vereinbaren. Kosten: Notar + Grundbuchamt, je nach Betrag ca. 500–1.500 €.
Zeitaufwand: Planen Sie 4–8 Wochen für die Umschuldung ein. Holen Sie mindestens 3 Angebote ein — von Direktbanken, Vermittlern (z. B. Dr. Klein, Interhyp) und Ihrer Hausbank.

Forward-Darlehen — wie früh absichern?

Ein Forward-Darlehen schließen Sie bereits bis zu 36 Monate vor Ablauf der aktuellen Zinsbindung ab. Der Zins wird heute fixiert, das Darlehen aber erst zum Ablaufdatum ausgezahlt. Der Preis für diese Sicherheit: Banken berechnen einen Forward-Aufschlag von ca. 0,01–0,02 Prozentpunkten pro Monat Vorlaufzeit. Bei 24 Monaten Vorlauffrist ergibt das 0,24–0,48 Prozentpunkte Aufschlag.

Ein Forward-Darlehen lohnt sich, wenn Sie erwarten, dass die Zinsen weiter steigen. Es ist dagegen nachteilig, wenn die Zinsen bis zur Auszahlung sinken — denn dann sind Sie an den höheren Zinssatz gebunden und können nicht mehr ohne Weiteres wechseln. Wer ein Forward-Darlehen abschließt und es nicht abruft, muss in der Regel eine Nichtabnahmeentschädigung zahlen.

Prolongation vs. Umschuldung vs. Forward-Darlehen im Vergleich

Kriterium
Prolongation
Umschuldung
Forward-Darlehen
Aufwand
Sehr gering
Mittel (4–8 Wochen)
Gering bis mittel
Kosten
Keine Wechselkosten
Ca. 100–1.500 €
Forward-Aufschlag 0,01–0,02 %/Monat
Zinsniveau
Oft 0,2–0,5 % über Markt
Bestes Marktangebot
Heute gesicherter Zins + Aufschlag
Planungssicherheit
Hoch
Hoch
Sehr hoch (bis 36 Monate vorher)
Risiko
Marktrisiko bei Verlängerung
Wechselrisiko (Timing)
Gebunden, wenn Zinsen sinken
Empfehlung
Nur bei exzellenten Konditionen
Standardfall bei Zinsdifferenz
Bei Zinsanstiegserwartung

Was spare ich bei 0,5 % besserem Zins?

Der Zinsunterschied klingt klein, summiert sich aber erheblich. Beispiel: Restschuld 200.000 €, Laufzeit 10 Jahre, Tilgung 2 % p. a.

Zinssatz
Monatliche Rate
Zinszahlungen gesamt (10 J.)
3,5 %
916 €
ca. 54.500 €
4,0 %
1.000 €
ca. 62.400 €
4,5 %
1.083 €
ca. 70.200 €
Differenz 3,5 % zu 4,5 %
167 €/Monat
ca. 15.700 € gespart

Annäherungsrechnung. Genaue Werte variieren je nach Tilgungsstruktur.

Vorfälligkeitsentschädigung — wann fällt sie an?

Wer ein Darlehen vor Ablauf der Zinsbindung kündigt oder umschuldet, muss der Bank den entgangenen Gewinn erstatten — die sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung (VFE). Diese kann schnell mehrere Tausend Euro betragen. Wichtige Ausnahmen:

Kein VFE nach 10 Jahren: §489 BGB gibt Ihnen das Recht, ein Darlehen nach 10 Jahren Laufzeit mit 6 Monaten Kündigungsfrist kostenlos zu kündigen — unabhängig von der vereinbarten Zinsbindungsdauer.
Kein VFE bei variablem Zins: Variabel verzinsliche Darlehen können jederzeit mit 3 Monaten Frist gekündigt werden.
Kein VFE bei regulärem Ablauf: Endet die Zinsbindung planmäßig, fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an. Eine Umschuldung zum Ablauftermin ist kostenlos.
VFE bei vorzeitigem Ausstieg: Wollen Sie z. B. bei Verkauf der Immobilie das Darlehen vorzeitig ablösen, berechnet die Bank die VFE nach der Aktiv-Passiv-Methode oder Aktiv-Aktiv-Methode.

Checkliste: 12 Monate vor Ablauf der Zinsbindung

12 Monate vorher: Zinsbindungsende im Kalender markieren, aktuelle Restschuld beim Kreditinstitut erfragen.
10–12 Monate vorher: Mindestens 3 Angebote einholen: Hausbank, mindestens ein Vermittler (Dr. Klein / Interhyp), eine Direktbank.
8–10 Monate vorher: Forward-Darlehen prüfen, falls Zinsanstieg erwartet wird. Konditionen vergleichen.
6 Monate vorher: Entscheidung treffen: Prolongation oder Umschuldung. Bei Umschuldung Unterlagen vorbereiten (Grundbuchauszug, Einkommensnachweise, Kontoauszüge).
3–4 Monate vorher: Darlehensvertrag unterschreiben, Grundschuldabtretung oder Neubestellung veranlassen.
1 Monat vorher: Altes Darlehen fristgerecht kündigen (falls nicht automatisch), neues Darlehen zur Auszahlung melden.

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Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Angaben ohne Gewähr — Gesetze und Rechtsprechung können sich ändern. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Rechtsanwalt oder Steuerberater.

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