24. Mai 2026 · 8 Min. Lesezeit
Altersvorsorge-Depot 2027 — so funktioniert es
Das neue staatliche Altersvorsorge-Depot startet 2027: Förderung bis 540 €/Jahr, 3 Varianten, Steuervorteile und wer profitiert.
Deutschland bekommt 2027 eine grundlegend neue Form der staatlich geförderten Altersvorsorge: das Altersvorsorge-Depot. Es löst das in die Jahre gekommene Riester-System ab und setzt erstmals auf kapitalmarktnahe Investments statt auf Garantieprodukte mit magerer Rendite. Wer jetzt versteht, wie das Depot funktioniert, kann ab dem ersten Tag der Einführung die maximale staatliche Förderung von bis zu 540 Euro pro Jahr mitnehmen — und langfristig erheblich mehr aus seiner Altersvorsorge herausholen als mit klassischen Riester-Verträgen.
Wie funktioniert das Altersvorsorge-Depot?
Das Grundprinzip ist einfach: Sie zahlen monatlich in ein gefördertes Depot ein, der Staat legt einen gestaffelten Zulagenanteil obenauf, und das gesamte Kapital wird am Kapitalmarkt investiert. Im Rentenalter beziehen Sie daraus eine lebenslange Leibrente oder einen Auszahlplan. Die Einzahlungen sind steuerlich begünstigt — die Besteuerung erfolgt erst bei der Auszahlung (nachgelagerte Besteuerung).
Es gibt drei Varianten, aus denen Sie wählen können:
Freies Altersvorsorge-Depot: Sie wählen selbst, in welche ETFs oder Fonds Ihr Kapital investiert wird. Maximale Flexibilität und typischerweise die günstigsten Kosten. Geeignet für Anleger mit Börsenerfahrung.
Standarddepot: Der Anbieter stellt zwei vorkonfigurierte Wertpapiere bereit — in der Regel ein risikobehaftetes Wachstumsportfolio und ein defensiveres Standbein. Für Anleger, die eine fertige Lösung bevorzugen, ohne jede Entscheidung selbst treffen zu müssen.
Garantieprodukt: Wahlweise 80 % oder 100 % Kapitalgarantie. Das eingezahlte Kapital bleibt zumindest teilweise oder vollständig erhalten — erkauft durch eine geringere Renditeerwartung. Sinnvoll für sehr sicherheitsorientierte Anleger kurz vor dem Renteneintritt.
Staatliche Förderung — bis zu 540 € pro Jahr
Die Zulage ist gestaffelt und belohnt höhere Einzahlungen überproportional. Die Förderstruktur sieht wie folgt aus:
Rechenbeispiel: Sie zahlen 150 € pro Monat ein, das sind 1.800 € im Jahr. Auf die ersten 360 € erhalten Sie 50 % = 180 € Zulage. Auf die verbleibenden 1.440 € (von 360 € bis 1.800 €) erhalten Sie 25 % = 360 € Zulage. Ihre Gesamtzulage beträgt 540 € — der Staat stockt Ihren Eigenbeitrag also um fast 30 % auf.
Die Kinderzulage beträgt 100 % auf die kindergeldberechtigten Kinder, maximal 300 € pro Kind und Jahr. Damit lohnt sich das Depot besonders für Familien: Bei zwei Kindern kommen zu den 540 € Grundzulage weitere 600 € Kinderzulage hinzu — insgesamt 1.140 € staatliche Förderung pro Jahr.
Der Berufseinsteiger-Bonus von einmalig 200 € gilt für Personen unter 25 Jahren im Jahr des ersten Vertragsabschlusses. Wer jung anfängt, bekommt also einen zusätzlichen Startschuss — und profitiert durch den langen Anlagehorizont am stärksten vom Zinseszinseffekt.
Wer kann das Altersvorsorge-Depot nutzen?
Grundsätzlich sind alle Personen berechtigt, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind — analog zur bisherigen Riester-Förderung. Dazu zählen:
Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer
Beamte und Richter (mittelbar förderberechtigt über Ehepartner)
Eltern in der Elternzeit
Pflichtversicherte Selbstständige
Personen mit Anspruch auf Kinderzulage (auch bei geringem Eigenbeitrag)
Freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung Versicherte und nicht pflichtversicherte Selbstständige sind in der Regel nicht unmittelbar förderberechtigt — hier empfiehlt sich eine individuelle Beratung.
Einzahlungsgrenzen und Mindestbeitrag
Das Altersvorsorge-Depot kennt sowohl eine Mindest- als auch eine Höchstgrenze für Einzahlungen:
Die Zugangshürde von 10 € monatlich ist bewusst niedrig gehalten — das Depot soll auch für Geringverdiener zugänglich sein. Wer jedoch die volle Grundzulage von 540 € ausschöpfen möchte, muss mindestens 1.800 € pro Jahr selbst einzahlen, also 150 € monatlich.
Steuerliche Behandlung
Das Altersvorsorge-Depot folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Die Einzahlungen werden aus dem Bruttoeinkommen geleistet — genauer gesagt: Sie reduzieren das zu versteuernde Einkommen im Rahmen der geltenden Höchstbeträge. Im Gegenzug werden die Auszahlungen im Rentenalter vollständig als Einkommen versteuert.
Der Vorteil liegt in der Steuerprogression: Wer im Berufsleben einen Grenzsteuersatz von 35 % oder mehr hat, spart beim Einzahlen deutlich mehr Steuern, als er im Rentenalter — bei typischerweise niedrigerem Gesamteinkommen — zahlen muss. Liegt der Steuersatz im Alter unter dem Arbeitsleben-Satz, entsteht ein dauerhafter Steuervorteil.
Beispiel: 42 % − 22 % = 20 % × 1.800 €/Jahr = 360 € Steuervorteil p.a.
Wachstum und Erträge innerhalb des Depots (Dividenden, Kursgewinne) sind während der Ansparphase steuerfrei. Die Abgeltungsteuer, die bei einem normalen Depot anfiele, entfällt — das ist ein weiterer struktureller Vorteil gegenüber einem ungeförderten ETF-Depot.
Auszahlung im Rentenalter
Bei Erreichen des Rentenalters stehen zwei Auszahlungsmodelle zur Wahl:
Lebenslange Leibrente: Das angesammelte Kapital wird in eine monatliche Rente umgewandelt, die lebenslang gezahlt wird — unabhängig davon, wie alt Sie werden. Sie schützen sich damit vor dem sogenannten Langlebigkeitsrisiko: dem Risiko, Ihr Kapital zu überleben.
Auszahlplan bis mindestens 85: Das Kapital wird in monatlichen Raten ausgezahlt, mindestens jedoch bis zum 85. Lebensjahr. Dieser Plan bietet etwas mehr Flexibilität und ermöglicht im Todesfall eine Restvermögensübertragung — wohingegen die Leibrente mit dem Tod endet (es sei denn, eine Rentengarantiezeit wurde vereinbart).
Beide Auszahlungsformen unterliegen der vollen Einkommensteuer im Rentenalter, entsprechend dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung.
Vorsorgedepot vs. Riester — was ändert sich?
Das Riester-System war konzeptionell ähnlich aufgebaut — staatliche Zulagen, geförderte Einzahlungen, nachgelagerte Besteuerung — litt aber unter zwei gravierenden Schwächen: dem Garantiezwang und der Produktkomplexität. Jeder Riester-Vertrag musste 100 % der eingezahlten Beiträge zum Rentenbeginn garantieren, was Anbieter zwang, hohe Anteile in renditearme Anleihen zu investieren. Das Ergebnis: mickrige Renditen, hohe Kosten, frustrierte Sparer.
Das Altersvorsorge-Depot bricht mit diesem Zwang:
Kein Garantiezwang mehr beim freien Depot und beim Standarddepot — mehr Kapital kann in renditestarke Aktien-ETFs fließen
Mehr Anlagefreiheit: Anbieter können günstige ETF-basierte Lösungen anbieten, nicht nur teure Versicherungsprodukte
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