23. Mai 2026 · 7 Min. Lesezeit
Neuer Energieausweis 2026 — neue Klassen & Renovierungspass
Ab Mai 2026 gilt die neue EU-Energieeffizienzskala A–G. Was ändert sich für Vermieter, wann brauchen Sie einen neuen Ausweis und was ist der Renovierungspass?
Mit der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD, Richtlinie EU/2024/1275), die am 28. Mai 2024 in Kraft trat, steht dem deutschen Energieausweis eine der größten Reformen seit seiner Einführung bevor. Bis zum 29. Mai 2026 muss Deutschland die neuen Vorgaben in nationales Recht umsetzen — voraussichtlich über das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG), das das bisherige GEG ablösen soll. Was sich ändert, wen es betrifft und was Vermieter jetzt konkret tun müssen, erklärt dieser Artikel.
Die neue EU-Skala A–G: Was sich ändert
Bisher verwendete Deutschland eine nationale Skala von A+ bis H mit zehn Klassen. Diese wird durch eine europaweit einheitliche Sieben-Stufen-Skala von A bis G ersetzt. Das Ziel: Energieausweise sollen EU-weit vergleichbar werden — bisher war ein deutsches Klasse-C-Gebäude nicht mit einem französischen oder spanischen Klasse-C-Gebäude vergleichbar.
Die neuen Klassen werden relativ definiert — also nicht mit fixen kWh-Grenzen wie bisher, sondern bezogen auf den nationalen Gebäudebestand:
Wichtig: Da die Klassen relativ zur nationalen Referenz definiert werden, lässt sich noch nicht mit absoluter Sicherheit sagen, welcher kWh-Wert in Deutschland genau die Grenze zwischen den Klassen zieht. Die konkreten Schwellenwerte werden mit dem nationalen Umsetzungsgesetz (GMG) festgelegt.
Was müssen Vermieter konkret tun?
Einen sofortigen Umtausch aller Energieausweise gibt es nicht. Bestehende Ausweise behalten ihre Gültigkeit bis zum regulären Ablaufdatum (10 Jahre nach Ausstellung). Handlungsbedarf besteht jedoch in diesen Situationen:
Der Renovierungspass: Pflicht oder freiwillig?
Viel diskutiert, aber oft missverstanden: Der Renovierungspass (englisch: Renovation Passport) ist nicht verpflichtend. Die EPBD verpflichtet die Mitgliedstaaten lediglich, ein System zur Erstellung solcher Pässe anzubieten — ähnlich dem bereits existierenden deutschen Sanierungsfahrplan (iSFP).
Was der Renovierungspass enthält: eine individuelle, langfristige Sanierungsstrategie für das Gebäude, Schritt-für-Schritt-Empfehlungen mit Kostenabschätzungen und das Ziel, das Gebäude mittelfristig zum Nullemissionsgebäude zu entwickeln. In Deutschland entspricht dies weitgehend dem bestehenden individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), für den es KfW-Förderzuschläge gibt.
Klasse F und G: Sanierungspflicht?
Die schlechte Nachricht zuerst: Gebäude der schlechtesten Klassen F und G werden künftig deutlich sichtbarer — sowohl im Inserat als auch beim Mietgespräch. Die gute Nachricht: Eine sofortige Sanierungspflicht gibt es in Deutschland 2026 noch nicht.
Dennoch zeichnen sich mittelfristige Fristen ab, die Vermieter im Blick behalten sollten:
Hinweis: Die konkreten Sanierungsfristen müssen noch in deutsches Recht umgesetzt werden. Härtefallregelungen, Denkmalschutz-Ausnahmen und Eigentümer-Schutzmechanismen sind vorgesehen. Laut aktuellen Gesetzentwürfen gibt es keine Zwangssanierung ohne Ausnahmemöglichkeit.
Neue Pflichtangaben im Energieausweis
Neben der neuen Skala enthält der reformierte Energieausweis ab Mai 2026 zusätzliche Pflichtangaben:
Was kostet ein neuer Energieausweis?
Die Kosten hängen von der Art des Ausweises ab — und davon, ob Bedarfs- oder Verbrauchsausweis benötigt wird:
Der Bedarfsausweis ist aufwändiger, aber aussagekräftiger: Er basiert auf einer technischen Analyse des Gebäudes — unabhängig vom tatsächlichen Verbrauchsverhalten der Bewohner. Der Verbrauchsausweis nutzt die tatsächlichen Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre und ist günstiger, aber auch anfälliger für Verzerrungen durch Nutzerverhalten.
Häufige Fragen
Muss ich meinen bestehenden Energieausweis sofort gegen einen neuen eintauschen?
Nein. Bestehende Energieausweise behalten ihre Gültigkeit bis zum regulären Ablaufdatum (10 Jahre nach Ausstellung). Erst wenn ein neuer Ausweis fällig wird — z. B. weil der alte abgelaufen ist oder ein neuer Pflichtanlass entsteht — gilt die neue A-G-Skala.
Was ist der Renovierungspass und ist er Pflicht?
Der Renovierungspass ist ein freiwilliges Instrument: eine individuelle Langfrist-Sanierungsstrategie für ein Gebäude. Er ist nicht verpflichtend, aber Mitgliedstaaten müssen ein entsprechendes Angebot bereitstellen. In Deutschland entspricht er weitgehend dem bereits bekannten individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP).
Gibt es eine Sanierungspflicht für Klasse-F- und Klasse-G-Gebäude?
In Deutschland noch nicht 2026. Sanierungspflichten sollen schrittweise ab 2030 eingeführt werden — aber mit Härtefallregelungen und Ausnahmen. Die genaue Ausgestaltung steht nach Redaktionsschluss noch nicht fest und hängt von der nationalen Umsetzung ab.
Wann brauche ich ab Mai 2026 neu einen Energieausweis?
Bei Neuvermietung, Verkauf und — neu ab 2026 — bei Mietvertragsverlängerungen und größeren Renovierungen (über 25 % der Gebäudehüllfläche oder über 25 % des Gebäudewertes). Wer sein Haus selbst nutzt und keine dieser Anlässe hat, braucht keinen neuen Ausweis.