Von Laurin Schlereth · 24. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit
Abfluss- vs. Leistungsprinzip in der Nebenkostenabrechnung
Kalte Betriebskosten darf der Vermieter nach dem Abflussprinzip abrechnen (BGH); bei Heizkosten gilt zwingend das Leistungsprinzip. Der Unterschied erklärt.
Auf einen Blick
Der Vermieter darf die Nebenkosten grundsätzlich nach dem Abflussprinzip abrechnen — also nach den im Abrechnungsjahr bezahlten Rechnungen (BGH). Ausnahme: Die verbrauchsabhängigen Heizkosten müssen nach der Heizkostenverordnung dem tatsächlichen Verbrauchszeitraum zugeordnet werden — hier gilt zwingend das Leistungsprinzip.
Wer zum ersten Mal selbst abrechnet, stolpert über eine scheinbar simple Frage: Gehört eine Rechnung, die im Januar 2026 für Leistungen aus 2025 bezahlt wird, in die Abrechnung 2025 oder 2026? Die Antwort hängt davon ab, welches Prinzip gilt.
Die zwei Prinzipien
| Abflussprinzip | Leistungsprinzip | |
|---|---|---|
| Zuordnung nach | Zeitpunkt der Zahlung | Zeitraum der Leistung/des Verbrauchs |
| Gilt für | die meisten Betriebskosten (Regelfall) | verbrauchsabhängige Heizkosten (zwingend) |
| Beispiel | Grundsteuer-Nachzahlung fällt in das Zahlungsjahr | Heizöl wird dem tatsächlichen Verbrauchsjahr zugeordnet |
Warum das Abflussprinzip der Regelfall ist
Der BGH hat entschieden, dass der Vermieter die kalten Betriebskosten nach dem Abflussprinzip abrechnen darf — er ordnet die Kosten dem Jahr zu, in dem er sie bezahlt hat. Das vereinfacht die Abrechnung erheblich, weil er nicht jede Rechnung zeitanteilig aufteilen muss. Über mehrere Jahre gleicht sich das für den Mieter aus.
Ein typisches Beispiel ist die Grundsteuer-Nachzahlung: Erhält der Vermieter 2026 einen geänderten Bescheid mit einer Nachforderung für 2025, darf er diese im Abflussprinzip in die Abrechnung 2026 einstellen — dem Jahr der Zahlung.
Die zwingende Ausnahme: Heizkosten
Bei den verbrauchsabhängigen Heizkosten gilt das Abflussprinzip nicht. Die Heizkostenverordnung schreibt vor, dass der tatsächliche Verbrauch des Abrechnungszeitraums zugrunde gelegt wird. Gekauftes, aber noch nicht verbrauchtes Heizöl (Restbestand) darf deshalb nicht komplett dem Kaufjahr zugeschlagen werden, sondern muss über die Tankfüllung dem Verbrauch zugeordnet werden.
Was das für den Mieterwechsel bedeutet
Beim Mieterwechsel mitten im Jahr wird es heikel: Beim Abflussprinzip können Kosten „falsch" beim Nachmieter landen, wenn eine große Nachzahlung erst nach dem Auszug bezahlt wird. Bei den Heizkosten dagegen schützt das Leistungsprinzip — dort zählt der Verbrauch im jeweiligen Nutzungszeitraum. Wie die Abrechnung beim Wechsel insgesamt läuft, zeigt der Ratgeber Nebenkostenabrechnung beim Mieterwechsel.
Häufige Fragen
Darf der Vermieter frei zwischen den Prinzipien wählen?
Für die kalten Betriebskosten darf er grundsätzlich nach dem Abflussprinzip abrechnen (BGH). Für die verbrauchsabhängigen Heizkosten ist das Leistungsprinzip zwingend — hier gibt es kein Wahlrecht.
In welches Jahr gehört eine Grundsteuer-Nachzahlung?
Nach dem Abflussprinzip in das Jahr, in dem der Vermieter sie bezahlt hat — auch wenn sie ein früheres Jahr betrifft.