Von Laurin Schlereth · · 4 Min. Lesezeit
Auftragseingang Bauhauptgewerbe: +23,0 % im August 2026
Destatis: Aufträge im Bauhauptgewerbe real +23,0 % zum Juli, stärkster Anstieg seit 1991. Hochbau +12,4 %, Tiefbau +31,6 %, Umsatz real +4,9 %.
Auf einen Blick
Der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im August 2026 gegenüber Juli kalender- und saisonbereinigt um 23,0 % gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt (Pressemitteilung Nr. 375 vom 23.10.2026) war das, bedingt durch mehrere Großaufträge, der höchste saisonbereinigte Anstieg zum Vormonat seit Beginn der Zeitreihe 1991. Im Tiefbau stiegen die Aufträge um 31,6 %, im Hochbau um 12,4 %. Der Hochbau lag zugleich 1,7 % unter dem Vorjahresmonat.
Die Zahlen stammen aus dem Monatsbericht im Bauhauptgewerbe. Er erfasst Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen, die überwiegend Hochbauten im Rohbau errichten oder Tief- und Spezialbauarbeiten ausführen. Neben dem Auftragseingang meldet die Statistik den Umsatz und die Zahl der tätigen Personen.
Die Zahlen für August 2026
| Kennzahl | Zum Vormonat (real, kalender- und saisonbereinigt) | Zum Vorjahresmonat |
|---|---|---|
| Auftragseingang Bauhauptgewerbe | +23,0 % | +17,3 % (real, kalenderbereinigt); +23,8 % (nominal, unbereinigt) |
| Auftragseingang Hochbau | +12,4 % | −1,7 % (real, kalenderbereinigt) |
| Auftragseingang Tiefbau | +31,6 % | +36,4 % (real, kalenderbereinigt) |
| Umsatz | keine Angabe | +4,9 % (real, unbereinigt); +10,1 % (nominal, unbereinigt) auf 10,9 Mrd. Euro |
| Tätige Personen | keine Angabe | +1,5 % auf rund 548.000 |
Stand: 23.10.2026 · Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 375 vom 23.10.2026; Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen
Großaufträge und der Dreimonatsvergleich
Destatis führt den Sprung ausdrücklich auf mehrere Großaufträge zurück. Einzelne Projekte bewegen den Monatswert stark. Aussagekräftiger ist der Dreimonatsvergleich, den das Amt als weniger volatil bezeichnet: Von Juni bis August 2026 lag der kalender- und saisonbereinigte Auftragseingang 7,6 % über den drei Monaten zuvor. Im Hochbau waren es nur 0,6 %, im Tiefbau 13,8 %.
Die Lücke zwischen den Sparten zeigt sich auch im Jahresvergleich. Der Tiefbau meldete 36,4 % mehr Aufträge als im August 2025. Der Hochbau lag 1,7 % darunter. Eine eigene Zahl für den Wohnungsbau weist die Pressemitteilung nicht aus.
Real, nominal, bereinigt: welche Zahl was zeigt
Der reale Vorjahreswert ist kalenderbereinigt, der nominale unbereinigt. Die Differenz der beiden Prozentzahlen ist deshalb nicht allein ein Preiseffekt.
Einordnung: Baugenehmigungen und Leitzinsen
Eine Woche zuvor hatte Destatis für August 2026 20.600 genehmigte Wohnungen gemeldet, 6,8 % mehr als im Vorjahresmonat (Pressemitteilung Nr. 370 vom 16.10.2026). Von Januar bis August waren es 169.400 Wohnungen, ein Plus von 12,1 %. Die Details stehen in Baugenehmigungen und Baupreise August 2026. Beide Statistiken messen Verschiedenes: Baugenehmigungen zählen genehmigte Wohnungen, der Auftragseingang erfasst Bauaufträge im gesamten Bauhauptgewerbe einschließlich Tiefbau.
Auf der Finanzierungsseite hat der EZB-Rat am 10. September 2026 die drei Leitzinsen um je 0,25 Prozentpunkte angehoben; der Zinssatz für die Einlagefazilität liegt seit dem 16. September bei 2,50 %. Leitzinsen sind nicht dasselbe wie Bauzinsen. Die Ausgangslage beschreibt EZB-Zinsentscheid Oktober 2026. Einen Zusammenhang zwischen Zinsniveau und den Großaufträgen im August stellt die Pressemitteilung nicht her.
Abgrenzung zu den Verbandsstimmen
Dieser Artikel gibt die amtliche Statistik wieder. Bewertungen der Verbände zu den Baugenehmigungen vom August stehen gesondert: die Sicht der Wohnungsunternehmen in GdW zu Baugenehmigungen und ifo-Klima, die des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe in ZDB: Förderlücke 2027 vermeiden. Beides sind Positionen der Verbände, keine Destatis-Angaben.
Häufige Fragen
Wie stark ist der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im August 2026 gestiegen?
Laut Destatis-Pressemitteilung Nr. 375 vom 23. Oktober 2026 um real 23,0 % gegenüber Juli 2026, kalender- und saisonbereinigt. Bedingt durch mehrere Großaufträge war das der höchste saisonbereinigte Anstieg zum Vormonat seit Beginn der Zeitreihe 1991. Gegenüber August 2025 lag der Auftragseingang real und kalenderbereinigt 17,3 % höher.
Wie haben sich Hochbau und Tiefbau entwickelt?
Im Hochbau stieg der Auftragseingang zum Vormonat um 12,4 %, lag aber 1,7 % unter dem Vorjahresmonat. Der Tiefbau legte um 31,6 % zum Vormonat und um 36,4 % zum Vorjahresmonat zu. Eine eigene Angabe für den Wohnungsbau enthält die Pressemitteilung nicht.
Wie hoch war der Umsatz im Bauhauptgewerbe im August 2026?
Der nominale Umsatz stieg gegenüber August 2025 um 10,1 % auf 10,9 Milliarden Euro, real um 4,9 %. Die Zahl der tätigen Personen nahm um 1,5 % auf rund 548.000 zu. Erfasst sind Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen.
Was unterscheidet realen und nominalen Auftragseingang?
Real heißt preisbereinigt, nominal heißt nicht preisbereinigt. Im August 2026 lag der Auftragseingang real und kalenderbereinigt 17,3 % über dem Vorjahresmonat, nominal und unbereinigt 23,8 %. Für die kurzfristige Konjunktur stellt Destatis auf den kalender- und saisonbereinigten Vormonatsvergleich ab.
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