Von Laurin Schlereth · · 4 Min. Lesezeit
ZDB: Baugenehmigungen steigen, Förderlücke 2027 droht
Der Baugewerbe-Verband ZDB fordert, EH55-Plus bis Sommer 2027 zu verlängern, und kritisiert geplante Kürzungen beim Neubau-Etat. Die Zahlen und Thesen.
Auf einen Blick
Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) begrüßt die steigenden Baugenehmigungen, sieht den Wohnungsbau aber weit von einem normalen Niveau entfernt. Er fordert, die EH55-Plus-Förderung bis zum Start der neuen Förderung im Sommer 2027 zu verlängern, und kritisiert die laut ZDB geplante Kürzung des Neubau-Etats um über 40 %. Das ist die Position des Verbands.
Grundlage ist das Statement von ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa vom 16. Oktober 2026 zu den Baugenehmigungen für August. Der ZDB vertritt die Bauunternehmen, also die Seite, die Aufträge ausführt. Die Zahlen und Bewertungen sind Aussagen des Verbands.
Die Zahlen laut ZDB
| Kennzahl | Wert laut ZDB |
|---|---|
| Genehmigte Wohnungen August 2026 | 20.600 (plus 6,8 %) |
| Januar bis August 2026 | 169.400 |
| Januar bis August 2021 | über 250.000 |
| Genehmigte, nicht gebaute Wohnungen Ende 2025 | rund 450.000 |
| Geräteauslastung im Hochbau | im Schnitt 45 % |
| Geplante Kürzung des Neubau-Etats 2027 | über 40 % (Angabe ZDB, Einordnung unten) |
Stand: 16.10.2026 · Quelle: ZDB-Statement „Wohnungsbau: Baugenehmigungen legen zu“ vom 16.10.2026 (zdb.de); Haushaltszahlen: Regierungsentwurf 2027, Kabinettvorlage BMF; Tagesspiegel vom 19.07.2026
Die Argumentation des ZDB
Pakleppa sagt: „Wir erholen uns von einem historischen Tiefpunkt, von einem normalen Niveau sind wir noch weit entfernt.“ Eine genehmigte Wohnung sei nicht automatisch eine gebaute. Ende 2025 hätten rund 450.000 genehmigte Wohnungen auf Eis gelegen, weil sich der Bau für viele nicht rechne. Die Kapazitäten der Bauunternehmen seien vorhanden, es fehlten Bauherren und Aufträge.
Die Fortsetzung der EH55-Plus-Förderung bis Jahresende nennt der ZDB das richtige Signal. Er plädiert aber dafür, das Programm bis zum Start der neuen Förderung im Sommer 2027 weiterlaufen zu lassen. Den Neubau-Etat für 2027 um über 40 Prozent zu kürzen, wie es die Bundesregierung laut ZDB vorsieht, sei „das schlechtmöglichste Signal“.
Was im Haushaltsentwurf steht
Nach dem Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 (Kabinettvorlage des Bundesfinanzministeriums) werden die Programme Klimafreundlicher Neubau, Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment, Wohneigentumsförderung für Familien, Jung kauft Alt und Gewerbe zu Wohnen im Sondervermögen unter dem neuen Titel „Förderung des Neu- und Umbaus von Gebäuden“ zusammengefasst. Für Neubewilligungen sind 2027 insgesamt 2,0 Milliarden Euro vorgesehen, für die Ausfinanzierung früherer Förderrunden zusätzlich 554 Millionen Euro.
Den Vergleichswert für 2026 enthält das Dokument nicht. Laut Tagesspiegel vom 19. Juli 2026 stehen 2026 noch 3,4 Milliarden Euro für Neubewilligungen bereit; gemessen daran wären es 2027 rund 41 Prozent weniger, was der ZDB-Angabe entspricht. Das Bauministerium widerspricht laut demselben Bericht der Darstellung einer Kürzung: Vereinbart seien 2 Milliarden Euro pro Jahr, 2026 habe es Sondereffekte gegeben, nämlich Mittel aus 2025 wegen der vorläufigen Haushaltsführung und die EH55-Sonderförderung.
Abgrenzung zum GdW
Der GdW hat dieselben Genehmigungszahlen am selben Tag kommentiert, aber aus Sicht der Wohnungsunternehmen. Er stellt Bedarf und Fertigstellungen in den Vordergrund, verweist auf das ifo-Geschäftsklima und fordert zusätzlich Gebäudetyp E und eine Sonderabschreibung für EH 55. Der ZDB argumentiert dagegen mit Auslastung, Bauüberhang und dem konkreten Zeitpunkt der Förderlücke. Die GdW-Position steht in GdW: Mehr Baugenehmigungen, aber trübes ifo-Klima. Die amtlichen Zahlen erklärt Baugenehmigungen und Baupreise August 2026.
Häufige Fragen
Was sagt der ZDB zu den Baugenehmigungen?
Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa nennt die steigenden Zahlen zunächst gute Nachrichten. Die 169.400 genehmigten Wohnungen von Januar bis August 2026 lägen aber noch rund ein Drittel unter 2021, als im selben Zeitraum über 250.000 Wohnungen genehmigt worden seien.
Was meint der ZDB mit Förderlücke?
Die EH55-Plus-Förderung läuft bis Jahresende. Der ZDB fordert, sie bis zum Start der neuen Förderung im Sommer 2027 weiterlaufen zu lassen und entsprechend auszustatten. Eine Lücke zum Jahreswechsel wäre laut Pakleppa „Gift für die zarte Erholung im Wohnungsbau“.
Wie stark will der Bund den Neubau-Etat kürzen?
Laut Regierungsentwurf sind 2027 für Neubewilligungen der gebündelten Neubauprogramme 2,0 Milliarden Euro vorgesehen. Für 2026 nennt der Tagesspiegel 3,4 Milliarden Euro; daraus ergäbe sich ein Minus von rund 41 Prozent, wie es der ZDB beschreibt. Das Bauministerium spricht laut Tagesspiegel nicht von einer Kürzung, sondern von einer Rückkehr zu den vereinbarten 2 Milliarden Euro pro Jahr.
Wie unterscheidet sich die ZDB-Position von der des GdW?
Der ZDB vertritt Bauunternehmen und argumentiert mit Auslastung und freien Kapazitäten. Der GdW vertritt Wohnungsunternehmen als Bauherren und Vermieter und argumentiert mit Bedarf, Kosten und Mieten. Beide fordern, dass keine Förderlücke entsteht.
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