Von Laurin Schlereth · · 5 Min. Lesezeit
BFW-Studie: Verband hält Mietpreisbremse für schädlich
Der Verband BFW stellt eine empirica-Studie gegen Mietpreisbremse und Vergesellschaftung vor. Die sechs Thesen, die Umfragezahl und was offen bleibt.
Auf einen Blick
Der BFW, ein Interessenverband der mittelständischen Immobilienwirtschaft, hat am 12. Oktober 2026 Ergebnisse einer empirica-Studie vorgestellt, die er selbst in Auftrag gegeben hat. Die Kernaussage aus Sicht des Verbands: Die Mietpreisbremse sei ungerecht und verschärfe die Wohnungsnot. Dazu nennt der Verband eine eigene Umfrage, nach der 37 % der befragten Unternehmen wegen der Vergesellschaftungsdebatte Investitionen zurückgestellt hätten. Das sind Positionen des Verbands, keine geprüften Fakten.
Grundlagen sind die Pressemitteilung des BFW und der Endbericht der Studie „Auswirkungen der Mietpreisbremse“ (empirica ag, Bearbeitung Dr. Reiner Braun, datiert 6. Oktober 2026). Auftraggeber ist laut Endbericht der BFW. Die sechs Thesen unten stammen aus der Pressemitteilung; wo der Endbericht davon abweicht, sagen wir das.
Die sechs Thesen laut BFW
| Nr. | These laut BFW |
|---|---|
| 1 | Wohnungsmangel lässt sich nicht wegregulieren; Ursache seien Mangel an Wohnraum und kostentreibendes Baurecht. |
| 2 | Wer Preise bremst, verschärfe die Wohnungsnot; drohend seien weniger Sanierungen und Rückzug aus der Vermietung. |
| 3 | Die Regulierung wirke nach dem Gießkannenprinzip; profitieren würden vor allem Haushalte mit höherem Einkommen. |
| 4 | Für bezahlbares Wohnen seien auch Energie- und Betriebskosten zu senken; entscheidend sei die Warmmiete. |
| 5 | Regulierung mache den Markt unbeweglicher (Lock-in-Effekt). |
| 6 | Mietspiegel verzerrten die Realität nach unten, weil sie fast nur aus regulierten Mieten berechnet würden. |
Stand: 12.10.2026 · Quellen: BFW-Pressemitteilung „Empirica Studie: Mietpreisbremse ungerecht und verschärft Wohnungsnot“ vom 12.10.2026; empirica, Endbericht „Auswirkungen der Mietpreisbremse“ vom 06.10.2026 (empirica-institut.de)
Was im Endbericht steht
Der Endbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Mietpreisbremse einzelne Mieter kurzfristig entlastet, mittel- und langfristig aber negative Folgen für Angebot, Investitionen, Wohnqualität und Verteilung habe. Aus der empirischen Literatur zitiert er für Deutschland einen Rückgang der inserierten Angebotsmieten um etwa 2,5 bis 3 Prozent, begrenzt auf die ersten 12 bis 18 Monate nach Einführung. Modellrechnungen für die sieben größten Städte zeigen nach dem Bericht, dass in keiner der betrachteten Modellwohnungen ein vollständiger Inflationsausgleich der Nettokaltmiete möglich war. Als Alternativen nennt die Studie mehr Neubau und gezieltes Wohngeld.
Zwei Punkte der Pressemitteilung finden sich so nicht im Endbericht: Zur vierten These, der Warmmiete und den Betriebskosten, haben wir im Studientext keine entsprechende Aussage gefunden. Und der Tankrabatt taucht im Bericht nur in anderem Zusammenhang auf, bei der Überwälzung von Subventionen; der Vergleich mit der Mietpreisbremse stammt aus dem Zitat in der Pressemitteilung.
Die Zitate
BFW-Präsident Dirk Salewski nennt Mietpreisbremse und Vergesellschaftung „Populismus, reine Symptombehandlung und der Offenbarungseid für eine gescheiterte Wohnungsbaupolitik“. Dr. Reiner Braun von empirica sagt, die Mietpreisbremse „wirkt wie der Tankrabatt“: Sie bekämpfe nicht die Knappheit, sondern erhöhe die Nachfrage und senke das Angebot.
Michael Kranz, Vorstandsvorsitzender des BFW-Landesverbands Berlin/Brandenburg, verweist auf eine Umfrage des Verbands: 37 Prozent der befragten Unternehmen hätten wegen der Vergesellschaftungsdebatte Investitionen zurückgestellt, 3.480 geplante Wohnungen würden dadurch nicht gebaut. Wie viele Unternehmen befragt wurden und wann, sagt die Mitteilung nicht. Teil der empirica-Studie ist diese Umfrage nicht.
Einordnung
Der BFW vertritt Unternehmen, die von Mietregulierung direkt betroffen sind. Die Mitteilung erscheint mitten in der Berliner Debatte über Vergesellschaftung. Dass die Mietpreisbremse Neubauten ausnimmt, räumt auch die Mitteilung ein; der Verband argumentiert, die Regulierung des Gesamtmarkts verunsichere trotzdem Investoren. Der Endbericht stützt sich auf Literaturauswertung, theoretische Überlegungen und Modellrechnungen; eine eigene Messung der Investitionszurückhaltung enthält er nach unserer Durchsicht nicht.
Was die Mietpreisbremse rechtlich regelt, steht in Mietpreisbremse. Die Berliner Pläne zur Vergesellschaftung beschreibt Berlin: Vergesellschaftung ab 10.000 Wohnungen, die Gegenposition des Bundes Hubertz kündigt Gesetz gegen Vergesellschaftung an. Wie Mieter einen Verstoß rügen, erklärt Mietpreisbremse: Rüge mit Muster.
Häufige Fragen
Was behauptet die empirica-Studie laut BFW?
Laut Pressemitteilung des BFW vom 12. Oktober 2026 kommt die Studie zu sechs Kernerkenntnissen, unter anderem: Wohnungsmangel lasse sich nicht wegregulieren, Preisbremsen verschärften die Wohnungsnot, und Mietspiegel verzerrten die Realität nach unten. Der Endbericht selbst räumt ein, dass die Mietpreisbremse kurzfristig mietdämpfend wirkt, sieht mittel- und langfristig aber negative Folgen.
Wer ist der BFW?
Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen vertritt nach eigener Angabe die mittelständische Immobilienwirtschaft mit rund 1.600 Mitgliedsunternehmen und einem Bestand von 3,1 Millionen Wohnungen. Er ist ein Interessenverband der Vermieter- und Bauträgerseite und laut Endbericht Auftraggeber der empirica-Studie.
Woher stammen die 37 Prozent?
Die Zahl nennt Michael Kranz vom BFW Landesverband Berlin/Brandenburg und bezieht sie auf eine Umfrage des Verbands: 37 Prozent der befragten Unternehmen hätten wegen der Vergesellschaftungsdebatte Investitionen zurückgestellt. Zahl der Befragten und Zeitraum nennt die Mitteilung nicht. Im Endbericht der empirica-Studie kommt diese Umfrage nicht vor.
Ändert sich durch die Studie etwas an der Mietpreisbremse?
Nein. Die Studie ist eine Position im politischen Streit. Die Mietpreisbremse gilt weiter nach §§ 556d ff. BGB in den Gebieten, die die Länder per Verordnung bestimmt haben.
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